Buchtipp: Lärmparade von Joel Bedetti

Erinnert sich noch jemand an die Band Noise Parade? Das waren zwei Schweizer Musiker, die Anfang 2006 mit ihrem Schlagzeuger, der gleichzeitig auch ihr Manager war, nach Glasgow gezogen sind. Dort feierten sie mit ihrem Szene-Hit “If You Love Me” zunächst einen kleinen Achtungserfolg im Fahrwasser von Franz Ferdinand, bevor …  – Aber an dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden, denn die beiden Zürcher Musiker hat es nie gegeben. Sie sind die Protagonisten des Romandebüts Lärmparade des Schweizer Journalisten und Texters Joel Bedetti (Danke fürs Rezensionsexemplar).

In seinem zunehmend an Tempo gewinnenden Debüt schildert Bedetti die Karriere von Noise Parade im abgefuckten Nullerjahre-Glasgow – und zwar abwechselnd aus der Perspektive des schüchternen Songschreibers Janosch und des selbstbewusste Sängers Pete. Der eine ist ein Richkid, der andere stammt aus prekären fundamental-christlichen Verhältnissen. Beide schlagen sich mit ganz unterschiedlichen persönlichen Problemen herum und versuchen dabei dennoch gemeinsam ihren Traum vom Rockstar-Dasein zu verwirklichen und das trotz Widrigkeiten wie kriminellen Schlägern, Drogenhändlern, einer Nu-Rave-Konkurrenzband, Hooligans oder desinteressierten Labelbossen.

Das Zeitkolorit des Buches sitzt und deckt sich mit meinen Erinnerungen: Myspace, Klapphandys, weiße Macbooks, Skinny Jeans. Die Liste der erwähnten Bands ruft mir sofort jene brechend vollen Indiepartys dieser Jahre in Erinnerung, von welchen auch die beiden Ich-Erzähler berichten können. Dabei kommt erfreulicherweise mehr herum als ein paar lahme Sauf- und Kotzgeschichten: Bedetti lässt seine beiden Protagonisten diverse Drogenerlebnisse, unglückliche Lieben, One Night Stands oder peinliche Auftritte authentisch und erfreulich unpeinlich erzählen.

Und tatsächlich reißt sogar eine Figur kurz die Frage an, warum die bisweilen als “Class of 2005” zusammengefassten Bandszene eigentlich so männerdominiert war. 

Zum Ende des Romans hin, wird mir das Erzähltempo dann doch etwas zu hoch. Auf recht wenigen Seiten fügt sich alles ineinander, zerbricht und findet doch ein versöhnliches Ende.

Insgesamt ist “Lärmparade” ein kurzweiliges, sehr gut geschriebenes Buch und eine klare Leseempfehlung nicht nur für jene, die diese Zeit miterlebt haben.

Joel Bedetti, Lärmparade, Zytglogge-Verlag 2022, 288 Seiten, 29€ – mehr auf https://www.laermparade.ch.